
Interview mit FIREBORN
Bei FIREBORN brennt gerade ordentlich die Luft: Mit ihrem zweiten Album „Dreamcatcher“ hat die Lörracher Band Anfang des Jahres ein neues Kapitel aufgeschlagen und sich damit bis in die offiziellen Rock- und Metalcharts gespielt. Gleichzeitig werden die Bühnen immer größer – 2026 steht unter anderem ihre Premiere beim renommierten Summer Breeze Open Air an. Ein schöner Beweis dafür, dass richtig guter Hardrock nicht von weit her kommen muss – sondern direkt aus unserer Region stammen kann.
Umso mehr freuen wir uns, FIREBORN in diesem Sommer beim NordRock auf der Bühne begrüßen zu dürfen. Vor ihrem Auftritt haben wir mit Jenny, Raphael und Dennis über ihre Wurzeln, ihre Musik und darüber gesprochen, was ein Heimspiel vor regionalem Publikum für sie bedeutet.

Hallo zusammen! Schön, dass ihr Zeit für ein Treffen gefunden habt! Ich würde mit euch gerne zunächst über euer neues Album "Dreamcatcher" sprechen. Welche Bedeutung hat der Titel für euch?
Jenny: Hier war uns vor allem die Symbolik wichtig. Ein Dreamcatcher hat einen indigenen Hintergrund und soll Böses wegfiltern und nur Gutes durchlassen. Ich bin sowieso ein Fan von Bräuchen und Ritualen, das passte also gut. Außerdem kann man "Dreamcatcher" auch als ein Synonym dafür sehen, dass man an seine Träume glauben soll.
Raphael: Der Name transportiert auch eine positive Message. Der Titel des Debütalbums "Reflections" war etwas nachdenklicher angelegt. Wie der Name schon sagt, ging es dort eher um das Reflektieren der verschiedensten Themen. Der neue Titel hat nun eher hoffnungsvolle Vibes.
Von eurem Debütalbum "Reflections" zur aktuellen Platte ist eine deutliche Entwicklung zu hören. Auf was führt ihr das zurück?
Jenny: Der Hauptunterschied ist, dass wir zu Beginn recht viele Besetzungswechsel hatten. Da war es nicht einfach eine Linie zu finden, da es zu viele verschiedene Einflüsse gab. Bei "Dreamcatcher" hatten wir dann eine stabile Bandbesetzung. Flo war damals noch dabei und zusammen mit ihm ist die Platte auch entstanden. Wir waren ein eingespieltes Team und hatten eine gemeinsame Richtung. Deshalb klingt das Ergebnis auch für uns stimmiger. Das Album hat einen roten Faden und ist insgesamt auch etwas härter.
Wie läuft denn bei euch der Song-Writing-Prozess ab?
Raphael: Das ist tatsächlich unsere Stärke! Wir schreiben die Songs richtig klassisch alle zusammen im Proberaum. Meistens kommt Jenny mit einer Songidee und zum Beispiel Dennis mit einem Riff und so bauen wir den Song dann gemeinsam auf. Jeder bringt da seine eigenen Präferenzen mit ein. Wir hören zwar alle gerne Rockmusik, klar, aber jeder hat seinen eigenen speziellen Stil und diese bringen wir im Proberaum zusammen.
Jenny: Genau, wir haben uns auch bewusst dazu entschieden das so zu machen, damit jeder ein Teil vom Ergebnis ist. Bei einem früheren Gitarrist hatten wir es mal, dass er recht viel im Songwriting vorgegeben hat, aber wir haben dann schnell gemerkt, dass das nicht unser Ding ist und wir die Musik lieber zusammen entwickeln möchten. Jeder entscheidet mit und das ist es auch, was uns letztlich ausmacht. Da sind wir stolz drauf.
Und wie sieht es bei den Texten aus?
Jenny: Hier ist es etwas anders. Auf dem neuen Album habe ich alle Texte geschrieben. Als Sängerin erzähle ich meine Geschichte über die Texte und die Jungs erzählen ihre Geschichte quasi über ihr Instrument. Es ist aber so, dass wenn zum Beispiel Raphaell mit einer Idee kommt, er genau so einen Text liefern kann. Er hatte auch auf "Reflections" schon zwei Texte beigeteuert.
Bei eurem Titel "Likes For A Life" kritisiert ihr Social Media beziehungsweise den Umgang damit.
Jenny: Wir schreiben allgemein viel sozialkritische und persönliche Texte. Bei "Likes For A Life" geht es darum, dass man sich heute, sei es als Privatperson oder auch als Band, oft nur noch über Likes definiert. Als Künstler ist das dann schon so extrem, dass zum Beispiel ein Veranstalter sagt; "Ihr habt ja nur so und soviel Likes, die Band XY hat da viel mehr, da nehmen wir lieber die". Oft sind diese Likes oder Follower auch nur gekauft und gar nicht echt, aber das interessiert in erster Linie gar nicht, sondern nur, dass was man eben sieht. Und am Ende spielen diese Bands dann teilweise eine "Mini-Playback-Show". Es sollte aber tatsächlich auf die Qualität der Bands ankommen. Bei uns ist es so: Was du hörst, ist auch echt! Da wird nichts eingespielt. Aber zurück zum Song - da geht es wirklich darum, dass die heutige Gesellschaft viel über Likes bewertet und dass viele bereit sind, alles dafür zu tun. Das ist für mich mittlerweile unfassbar. Wie durchsichtig alles ist und auf was alles einen Filter geklatscht wird. Wenn jemand auf mich zukommt und verwundert sagt: "Du siehst ja wirklich so aus wie auf Instagram!" Nichts ist mehr natürlich und das muss man meiner Meinung nach thematisieren.
Sprechen wir mal über eure musikalischen Einflüsse. Wer war und ist da wichtig?
Jenny: Angefangen zu singen habe ich wegen Melissa Etheridge, sie ist mein absolutes Vorbild. Dann mag ich Halestorm und Alterbridge, aber auch David Bowie und alles, was in diese Richtung geht.
Dennis: Bei mir fing es mit Rammstein an, dann kamen Metallica. Sie haben mich am meisten beeinflusst. Zu ihren Songs habe ich auch zuhause immer mitgespielt. Später ging es weiter mit Pantera und härteren Sachen.
Raphael: Mit Rammstein fing es auch bei mir an, das war diese Phase in den Neunzigern/Zweitausendern. Dann kam die New Metal Ära mit Limp Bizkit, Papa Roach, Korn und so weiter. Später kamen Old School Metal Core-Sachen wie Bullet For My Valentine. Gerade die ersten Alben dieser Band haben mich wohl am meisten geprägt.
Jenny: Wir könnten wohl privat gemeinsam an kein Konzert gehen, wo alle glücklich wären (lacht). Im Proberaum klappt es zusammen aber super gut. Da gibt es nie Diskussionen, trotz der verschiedenen Einflüsse, das finde ich total faszinierend. In der Musik ist es einfach wichtig, offen zu bleiben, das vergessen viele. Wir treffen uns einfach irgendwo in der Mitte. Das neue Album ist recht hart geworden, ich würde das als meine Obergrenze in Sachen Härte bezeichnen. Aber eine gute Mischung von dem, was wir sind.
Und gibt es auch Einflüsse, die man bei euch überhaupt nicht erwarten würde? Etwas, was ihr heimlich hört vielleicht ;-)
Jenny: Ich bin bekennender Wolfgang Petry-Fan. Ich würde ihn jetzt nicht als Einfluss für unsere Musik nennen, aber man würde wahrscheinlich nicht von mir erwarten, dass ich Wolfgang Petry höre (lacht).
Dennis: Ich bin da auch recht offen, höre auch mal Techno oder guten Old School Rap. Deutsch-Rap ist jetzt nicht meins, aber "Ami-Rap" finde ich ganz cool.
Raphael: Auch ich bin sehr offen, ich mag Hip Hop in verschiedenen Varianten, ob deutsch oder amerikanisch. Schlager höre ich auch ab und zu mal - das gebe ich offen und ehrlich zu. Helene Fischer ist wahrscheinlich das Peinlichste (lacht). An einem Andreas Gaballier-Konzert war ich auch schon. Ich finde es einfach wichtig, dass man einem Künstlern seine Anerkennung zeigt für die Leisitung, die er bringt, auch wenn es nicht seinem persönlichen Geschmack entspricht. Es ist allgemein so, dass man seinen Horizont nicht zu sehr einschränken sollte. Ich selbst habe schon so viel tolle Sachen erlebt, die ich, wenn ich mich auf eine bestimmte Musikart eingeschworen hätte, niemals erlebt hätte.
Jenny: Dasselbe gilt ja auch andersherum: Mein Chef hat mich letztens gefragt, ob er denn, wenn er an unser Konzert kommt, schwarz tragen müsse (lacht). Da gibt es vor allem in unserer Rock-/Metalszene immer noch viele Vorurteile, die dann aber ganz schnell aus dem Weg geräumt werden können, wenn man sich eben mal in "andere Gebiete" wagt.
Ihr habt ja mit einem anderem Bandnamen gestartet, früher hießt ihr DISLIKE SILENCE. Wie kam es zu dem Namenswechsel?
Jenny: Diese Geschichte habe ich schon öfter erzählt, aber sie ist ganz wichtig. Wir haben 2022 am Stimmen Festival in Lörrach vor Silbermond gespielt. Ein Tag später spielten Deep Purple, auf die wir uns eigentlich als Support beworben hatten, allerdings hatten sie ihren eigenen Support dabei. Ich habe aber den Bassisten Roger Glover Backstage kurz treffen dürfen. Er fragte mich wie wir heißen und ich antwortete "Dislike Sielence" worauf er wenig begeistert "Oh, was macht ihr? Emo-Musik?" antwortete. Er meinte der Namen sei nicht gerade toll und wir sollten uns doch mal über etwas Eingängigeres Gedanken machen. Später durfte ich Geen Simmons von Kiss treffen und er hat genau gleich reagiert. Dort fingen wir dann an uns über einen neuen Namen Gedanken zu machen. Wir hatten dabei Hilfe von Schmier (Destruction), der meinte etwas kurzes, knackiges wäre gut. Da zu diesem Zeitpunkt auch gerade Flo und Chris neu eingestiegen waren, passte ein Namen, der einen Neuanfang symbolisiert sehr gut. So kamen wir auf FIREBORN. Nach wie vor stehen wir aber immer noch hinter DISLIKE SILENCE.
Raphael: Die Erinnerung an DISLIKE SILENCE bleibt auf jeden Fall bestehen. Wir haben damals auch tolle Sachen erlebt: Das allererste Konzert, die ersten Musikvideo-Drehs und die Leute, die damals mit dabei waren und das gefeiert haben - das bleibt.
Seit eurem neuen Album seid ihr recht erfolgreich unterwegs: Rockchart-Einstieg, Berichte in bekannten Szene-Magazinen und ihr spielt demnächst noch auf dem Summerbreeze Festival. Wie erlebt ihr diesen Erfolg?
Jenny: Wir sind dafür total dankbar. Man arbeitet jahrelang sehr hart. Hinter den Kulissen sieht man gar nicht, was da für ein Aufwand dahinter steht. Wir haben ja alle noch Vollzeitjobs und machen die Musik im Prinzip nebenher. Alleine die Social Media-Arbeit ist eine Menge. Außerdem fahren wir öfter für Aufritte fort und haben dadurch kein Wochenende. Dass diese harte Arbeit nun Früchte trägt und das passiert, was man sich tatsächlich schon jahrelang erträumt hat, ist unglaublich. Letztes Jahr war ich am Summerbreeze noch selbst Gast und habe mir gedacht, ich will unbedingt auch mal hier spielen und plötzlich wird das Wirklichkeit. Das genießen wir nun wirklich in vollen Zügen.
Raphael: Wir freuen uns vor allem auch über das Vetrauen unserer professionellen Partnern, die wir nun haben. Lucky Bob ist nun unser Booking Agentur und mit El Puerto Records haben wir auch eine neue Plattenfirma. Beide stehen voll hinter uns, das gibt uns auch nochmal mehr Sicherheit und nimmt uns eine Menge Arbeit ab. Früher mussten wir für gewisse Dinge sehr viel mehr Zeit und Arbeit aufwenden. Die Zusammenarbeit mit Lucky Bob und El Puerto Records sind zwei echte Meilensteine für unsere Band.
Dennis: Es macht wirklich viel Spaß mit diesen professionellen Leuten zu arbeiten. Jeder weiß, was er zu tun hat und man kann sich darauf verlassen, dass alles korrekt gemacht wird. Rückblickend war es aber auch gut, all diese Dinge selbst zu machen, da man so genau weiss, was für eine Arbeit dahinter steht und man so auch lernt diese Arbeit wertzuschätzen.
Nun spielt ihr ja in wenigen Wochen auf unserem NordRock Open Air - ein richtiges Heimspiel für euch! Seid ihr da besonders aufgeregt?
Raphael: Bei Auftritten in unserer Gegend geht einem schon mal richtig die Pumpe. Da gibt es so viele Leute, von denen du weißt, dass sie da sind, weil sie dich einfach kennen und deinen Auftritt sehen möchten. Viele kommen da auch nicht mal unbedingt wegen der Musik an sich, sondern einfach, wegen dir persönlich. Da ist man schon besonders unter Beobachtung (lacht).
Jenny: Man gibt ja immer Gas, aber bei solchen Heimatauftritten vielleicht sogar noch etwas mehr. Die Leute kennen einen eben. Die sehen genau, wenn du heute mal nicht so einen guten Tag hast oder merken es, wenn einer der Musiker nicht so spielt wie sonst. Da bin ich dann tatsächlich auch aufgeregter als sonst. Ab und zu genieße ich es auch einfach mit dem Auto mal acht Stunden an einen Auftritt zu fahren und alles hinter sich zu lassen. Es hat was für, aber auch was gegen sich. Aber natürlich freuen wir uns auch besonders auf Shows in unserer Gegend.
Mit welchen von den Bands, die noch am NordRock spielen, würdet ihr gerne mal zusammen antoßen?
Dennis: Ich bin da ganz frei unterwegs. Oft entstehen im Backstage-Bereich spontan Gespräche mit anderen Künstlern, wo sich hin und wieder sogar Freundschaften entwickeln.
Raphael: Mich interessierten da besonders Thundermother. In den letzten Jahren habe ich ihren Weg etwas mitverfolgt. Da bin ich neugierig, wie die Ladys menschlich mittlerweile drauf sind. Auch bei Bonfire gab es den ein oder anderen Song, den man früher als Teenager auf seinen selbst zusammengestellten CDs mit drauf hatte und die an den einschlägigen Festen gespielt wurden. Jetzt zusammen mit diesen Bands auf einem Festival zu spielen und sogar Backstage zu treffen ist etwas ganz Besonderes.
Zum Schluss dürft ihr noch folgenden Satz beenden: Unser Auftritt am NordRock wird....?
Jenny: Feurig!!
Da bin ich ganz sicher! Wir freuen uns sehr darauf!

